Der Anfang einer Liebesgeschichte


Der Deutsche in mir – zum Zweck dieser Geschichte – steckt dich in eine von zwei Schubladen. Entweder du folgst dem Ruf des Universums bereits oder du wirst ihm (bald) folgen. Woher ich das weiß? Ehrlich gesagt weiß ich es gar nicht, es ist mehr so ein starkes Gefühl. Das Universum hat so eine Eigenart die Lautstärke hochzudrehen, wenn man nicht zuhört. Es fragt dich immer und immer wieder. Klar es schreibt dir keinen Zettel und es flüstert dir auch nicht ins Ohr: “Schatz, bist du nun bereit dich selbst zu finden?”. Nein, so funktioniert es leider nicht.

Das Universum machte mir in der Vergangenheit mehr als nur einmal klar, dass es an der Zeit wäre aufzuwachen, etwas zu verändern, mich selbst zu finden. Ungefähr zu der Zeit als das Foto geschossen wurde, begann ich dem Ruf zu folgen. Steve Jobs sagte einmal: “You can’t connect the dots looking forward, you can only connect them looking backwards.” (zu Deutsch sowas wie es macht alles erst Sinn, wenn man zurückblickt). Es war das Fazit der ersten Geschichte seiner Rede an der Stanford University in 2005. Ich bekomme noch immer Gänsehaut, wenn ich sie mir angucke (Du kannst sie dir hier – sogar mit Untertitel – angucken: https://www.youtube.com/watch?v=UF8uR6Z6KLc). Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann erschließt sich mir einiges. Ich erspare euch – zumindest fürs erste – die Geschichten dazu. 

Letztes Wochenende besuchte ich eine liebe Freundin zu ihrem Geburtstag. Zum Kaffee schlemmten wir ein sehr leckeres Stück selbstgebackenen Karottenkuchen. Als ich das Wort Zufall fallen ließ und Anführungsstriche mit meinen Fingern symbolisierte, stimmten Anna und ihr Partner quasi zeitgleich ein und sagten “Es gibt keine Zufälle.”. Heute tendiere ich dieser These zuzustimmen, aber damals hätte ich das für Quatsch gehalten. Wir – also die Gruppe meines Spanischkurses aus Cochabamba und ich – quartierten uns in ein Party Hostel in der Mitte von La Paz ein. Es war eines jener Hostels, die dich praktisch zum Feiern zwingen. Entweder trinkst und tanzt du an der Bar oder du liegst in deinem Hostelbett und sehnst den Schlaf herbei während du die laute Musik verfluchst.

Am letzten Abend wollte ich einfach nicht mehr. Der Alkohol stand mir Oberkante Unterlippe und ich wollte einfach nur schlafen, aber ich wollte auch keine Spaßbremse sein und so machte ich einfach das was ich in solchen Situationen machte. Während die Gang am Dancen war, trank ich ein Bier in der Raucherecke und schmökerte eine nach der nächsten. Quasi jeder raucht, selbst die Nichtraucher und so fällt es einem ganz einfach in der Menge zu verschwinden und doch so zu wirken als ob man voll dabei ist. Zum Glück war ich da. Eine hübsche Latina aus Panama sprach mich an, bat mich um eine Zigarette und leistete mir für ein bisschen Gesellschaft. Sie stellte sich vor mit “Hi, I am Gaia from Panama”. Diesen Name hatte ich bis dahin noch nie gehört. Der Name blieb mir auf jeden Fall im Gedächtnis und das lag bestimmt nicht nur daran, dass ich den noch nicht kannte. In den nächsten Tagen recherchierte ich wo ich in ein paar Wochen hin will bzw. was ich dort dann machen werde. Ich stolperte über einen Link den ich mir abgespeichert hatte als ich nach Orten suchte die Permakulturkurse anbieten. Der Ort heißt Inanitah. Ich wollte mal gucken, ob es wieder einen Kurs gibt. Leider nein oder Gott sei Dank nein? Ein Kurs zog meine Neugierde auf sich. “The Tantric Way Series”. Tantra? Jetzt habt ihr meine Aufmerksamkeit. Ich laß die Beschreibung sorgfältig und nach dem ich den letzten Satz laß, begann ich dem Ruf des Universums zu folgen, ohne es überhaupt zu wissen. Ich laß:

“Dieser Workshop wird von Gaia geleitet”.

In meinem Kopf drehte sich alles. “Neeeeein, dass kann nicht wahr sein. Macht ihr Witze? Vor zwei Tagen, wusste ich noch nicht mal, dass der Name Gaia existiert und jetzt das?”. Es war eine Zeit in meinem Leben, zu der ich absolut planlos war und keinen Blassen davon hatte wohin ich mit meinem Leben soll. Irgendwie fühlte es sich aber wie ein Zeichen an und glaub mir, ich buchte diesen 3 wöchigen Workshop. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet, ich war spirituell absolut unerfahren, schüchtern und ängstlich mit Frauen und ich hatte keine Idee was Tantra überhaupt war (nur dass es was sexuelles ist… das dachte ich zumindest).

An dem Tag der Anreise nach Inanitah, traf ich bereits auf der Fähre zur wunderschöne Insel Ometepe einen schwedischen Freund. Es stellte sich heraus wir haben den gleichen Weg. Er kleidete sich ähnlich wie ich. Damals hätte ich mich einen lonely planet backpacker geschimpft. Als wir in Inanitah ankamen wurde mir jedoch schlagartig klar, dass wir eine Minderheit sind. Mein erster Gedanke: “Fuck, was hast du dir dabei nur gedacht?”. Ein Ort voller Menschen, die sich wie Hippies kleiden und vermutlich auch noch welche sind und wir. Ich hatte Angst davor nicht dazuzugehören, anders zu sein, ein Aussätziger quasi. Nicht ein einziger dieser wundervollen Hippies hat mich jemals spüren lassen, dass ich Fehl am Platz wäre, das schaffte nur ich. Wir hatten nicht mal unsere Sachen entladen, da sprang Peter aus der Hängematte, meinte wir sollen die Sachen einfach ablegen und “Kommt Jungs, ihr müsst unbedingt das Wasser versuchen, es kommt direkt vom Vulkan und es schmeckt einfach sehr lecker.”. Dieser Empfang ließ mich direkt etwas lockerer werden (Sie trinken also auch Wasser, puh, da hab ich ja nochmal Glück gehabt). 

Ungefähr eine Stunde später war es Zeit für das Abendessen. Es ist aber natürlich nicht einfach nur Abendessen, sondern viel mehr ein Fest das mit einem kleinen Ritual beginnt. Alle stellen sich im Kreis um das leckere Essen, das in Töpfen und Schüsseln bereit steht. Wir halten Hände und die Chefköchin erklärt was es leckeres gibt. Nachdem sie das Essen vorgestellt hat darf jeder der mag sagen wofür sie dankbar ist. Wenn keiner mehr mag, stimmen alle für ein jubelndes “Buen provecho” ein, während sie die Hände wie bei einer Welle im Stadion in die Luft schmeißen. Ich sags euch wie es ist, als ich das zum ersten Mal erlebte, rollte ich glaube ich  innerlich ein bisschen mit den Augen und dachte mir “Jooah, das ist etwas anders…”. Bis ich Inanitah wieder verließ, liebte ich dieses Ritual und traute mich auch einfach zu sagen wofür ich dankbar war. Ich blieb nicht nur für 3 Wochen des Tantric Way, sondern total fast 7 Wochen – nur beim ersten Mal. Alles andere als lebensverändernd würde diese Erfahrung nicht angemessen würdigen. Was in den 3 Wochen des Kurses stattfand war eine Achterbahnfahrt aus Strampeln, schreien, lachen, weinen, tanzen, Angst, sich der Angst stellen, Nacktheit, Lichtblicke der Selbstliebe, Mitgefühl, Empathie, Energie, Selbstfindung, das schälen der Schichten, tiefe und ehrliche Gespräche, schmerzvolle beängstigende und ehrliche Transparenz, Nierensteine, das schönste Weihnachten, und glaubt mir, das war der Anfang einer wunderschönen Liebesgeschichte mit mir selbst. Danke Universum, danke Gaia und danke Gaia.

Lausche deinem persönlichen Ruf des Universums, lausche und folge ihm.


+ There are no comments

Add yours