Was das Gute, das Schlechte, Orgasmen und das Leben gemeinsam haben


Während meines ausgedehnten Spaziergangs über das Tempelhofer Feld frönte ich den Liedern des Albums “Live in Buenos Aires” von Coldplay. In letzter Zeit höre ich dieses Album oft und ich mag die meisten Lieder sehr. Die meisten, nicht alle und als ein Lied begann, welches ich weniger genial finde, öffnete ich den Reisverschluss meiner Jackentasche und griff nach meinem Telefon. Ich war drauf und dran auf das Display meines Telefons zu gucken, als ich plötzlich stoppte und einen Moment innehielt. Ich erinnerte mich an diesen Satz “Wenn du einen schlechten Moment erlebst, sei dir bewusst, dass er vorübergeht und sei dir auch bewusst, dass wenn du einen guten Moment hast er auch vorübergeht”. Ich dachte mir: “Jawohl, sehr gut, zum Glück fällt mir der Satz jetzt ein. Ich werde mir dieses Lied nun auch anhören und freue mich dafür umso mehr, wenn das nächste Lied, das ich sehr gerne mag, erklingt.”.

Ich stolperte über diesen Satz vor einigen Wochen in einer Geschichte des Osho Transformationskartensets: “Wenn du einen schlechten Moment erlebst, sei dir bewusst, dass er vorübergeht und sei dir auch bewusst, dass wenn du einen guten Moment hast er auch vorübergeht”. Ist das nicht ein genialer Satz? Ist er nicht auch absolut logisch? total selbstverständlich? Ja ist er und dennoch habe ich nie bewusst meine Aufmerksamkeit auf diese scheinbar unwichtige Wahrheit gerichtet.

Nachdem ich die Geschichte zu Ende gelesen hatte, entschloss ich mich dazu, mich so oft wie möglich an diese einfache Wahrheit zu erinnern. In Situationen in denen ich unglücklich bin, weil sich etwas nicht so entwickelt hat wie ich es mir wünschte. In Situationen in denen ich mich ekstatisch fühle, weil ich z.B. etwas wahrnehme was mich absolut glücklich macht, wie ein kleines Kind das lachend und fröhlich durch eine Regenpfütze läuft. Wenn ich vor einer Entscheidung stehe, wo alle Optionen eher mau sind. In all diesen Momenten erinnere ich mich: “Es geht vorüber.”. Ja, ich mache es auch in den guten Momenten. Es macht etwas sehr Spezielles mit mir. Es hilft mir dabei diesen Augenblick voller wahrzunehmen und einfach auch dankbarer dafür zu sein. Natürlich mache ich es auch in den schlechten Momenten und dort erlebe ich einen anderen positiven Effekt. Es zeigt mir, dass auch diese Situation, dieses Gefühl nur temporär ist. Es lockert auf und nimmt den Druck raus. Ich kann dann einen tiefen Atemzug nehmen, akzeptieren und loslassen. Es ist einfach wundervoll welchen Effekt diese paar Worte auf meine Balance haben.

In meiner Zeit als Softwareentwickler erlebte ich öfter ekstatische Momente, allerdings sehr unbewusst. Nachdem ich ein Stück Software abgeschlossen hatte, den Code kompilierte und die Software startete um zu prüfen, ob meine Änderungen die gewünschten Resultate lieferten, erlebte ich manchmal so einen freudigen Moment. Einer meiner Freunde nannte programmieren häufig Hirnwichserei und die Entwickler unter euch wissen genau warum diese Analogie Sinn macht. Für mich tut sie das auf jeden Fall und so erlebte ich quasi einen Orgasmus, wenn meine Änderungen an der Software erfolgreich waren. Allerdings war das Gefühl von kurzer Dauer und bereits eine Sekunde später sah ich die 100 kleinen Dinge, die verändert oder verbessert werden müssen. Kannst du dir vorstellen einen Orgasmus zu erleben und ihn nicht mal voll auszukosten? Heute würde ich versuchen mir bewusst zu machen, dass dies ein spezieller Moment ist, einer der rar genug ist um ihn zu feiern. Es ist ein Zeitpunkt zu dem man innehalten, zurückschauen, die investierte Zeit und Energie würdigen und sich auf die Schulter klopfen darf.

Versuche dich an das letzte Mal zu erinnern, als du etwas erreichtest. Es muss kein sechsmonatiges Projekt sein, auch nicht eine Beförderung oder der Abschluss deines Studiums. Etwas kleineres. Vielleicht das Putzen deines Bades oder vielleicht sogar noch kleiner. Hast du dich dafür geschätzt oder hast du dich wieder einmal für selbstverständlich betrachtet? Es war einfach etwas, das erledigt werden musste? Betrachte dich selbst nicht als selbstverständlich! Feiere dich, sei dankbar für jede Kleinigkeit die du für dein Wohlergehen tust.

Alles ist temporär, das Gute, das Schlechte, der Orgasmus und unser Leben. Die Frage ist, wie erlebt man diese temporären Ereignisse? Gibt man sich der negativen, emotionalen Spirale zu gerne hin? Nimmt man das Negative zu viel und das Positive zu selbstverständlich und oft gar nicht wahr? Erleben wir unser Leben wie einen vorbeirauschenden Zug und stellen plötzlich fest: “So viele Waggone kommen da gar nicht mehr.”. Je bewusster wir unser Leben leben und je bewusster wir uns der Tatsache sind, dass alles temporär ist, desto intensiver können wir die schönen Dinge genießen und umso besser wird es uns gelingen die Tragik und Dramatik der unangenehmen Phasen zu entschärfen.

Ich fordere dich heraus. Versuche dich für die nächsten sieben Tage so oft wie möglich, in den guten als auch in den schlechten Augenblicken, an den Satz “Wenn du einen schlechten Moment erlebst, sei dir bewusst, dass er vorübergeht und sei dir auch bewusst, dass wenn du einen guten Moment hast er auch vorübergeht.” zu erinnern. Wenn es eine positive Auswirkung auf dich hat, mach die 21 Tage voll und lass eine neue und tolle Gewohnheit daraus entstehen. Viel Erfolg!

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