Wie meine Liebe für Falafel und eine kaputte Fahrradkette mir helfen über Klarheit und Meditation nachzudenken.


An diesem Tag wurde ich von einem Freund zu einer Süßkartoffel, Tomaten, Kokosnuss-Suppe (meine Güte dieser Tag war voller Leckereien. Ich fühle mich gesegnet!). Nachdem wir unser Mittagessen beendeten, spazierten wir durch die nähere Umgebung meines Freundes und er zeigte mir schöne Plätze seiner Hood. Abends haben wir abgemacht in eine sanfte Yoga Klasse mit Restorative Aspekten zu besuchen. Nachdem die Yoga Klasse zu Ende war fühlte ich mich sowohl frisch, hungrig als auch etwas introvertiert. Also war es Zeit für mich den Weg nach Hause anzutreten. Ich verabschiedete mich, setzte mich aufs Fahrrad und düste los. 

Sofort merkte ich, dass irgendetwas mit meinem Fahrrad oder genauer gesagt mit meiner Kette nicht stimmt. Sie rutschte ständig durch. “Sch…e”, dachte ich. I radelte so sanft wie ich nur konnte und bewegte mich im absoluten Schneckentempo vorwärts. Ich wollte nicht direkt aufgeben und träumte von meiner Falafeltasche. Ich war hungrig und sah mich schon aus nächster Nähe mein Abendessen verschmausen. Das einzige Problem: “Ich werde wohl kaum den Hügel mit diesem Kettendisaster hochkommen. Aber was solls, ich hab richtig Bock darauf.”.

Also auf, auf zu meinem LFS (Lieblings-Falafel-Shop). Ich mag diesen Laden nicht nur wegen dem leckeren Essen, sondern auch weil sie nicht an Menschen mit einem Handy in der Hand verkaufen. Ich wartete also ein bisschen und erhielt zu meiner Freude ein richtiges Kunstwerk. Das sagte ich auch dem Chef: “Schade, dass du es einpacken musst, das ist ein richtiges Kunstwerk geworden.”. Er lachte und bedankte sich. Nachdem ich zahlte, sollte vermeintlich nur noch der Endgegener aka Hügel zwischen mir, meiner Couch und meinem Abendessen stehen. Denkste. Ich schiebe das Pedal als Vorbereitung zum Fahradaufschwung zurück und dabei fehlt die Kette einfach auf den Boden. Ich stellte mir vor, wie ich mich mit der Kette herumschlage, dabei von oben bis unten schwarz werde, dann doch nicht den Hügel erklimmen kann und zu der Zeit, zu der ich dann tatsächlich zuhause bin, mein Essen komplett matschig ist. “Nein.”, schreit es aus mir – “Setz dich hin und entspann dich.”. Ich gab auf, entspannte mich und dachte “Naja, wer weiß wozu es gut ist.”. 

Ich setzte mich an einen freien Tisch und während ich meine Falafeltasche genussvoll verzehrte, überhörte ich die Unterhaltung zweier junger Männer vom Nebentisch. Sie sprachen über ihr erstes Gehalt und was sie dann damit kaufen würden, wie einer der beiden es nicht ausstehen kann, wenn in ein Zimmer zu viele Dinge freisichtbar sind, etc. Das was ich hörte, ließ mich zumindest darauf schließen, dass sie vermutlich nicht so wirklich an Meditation interessiert sein würden. Ich war neugierig was sie darüber denken. Nichts überstürzen. Eile mit Weile, denn du möchtest deine Entspannung mindestens noch ein paar Minuten halten. Ich beschloss noch gemütlich fertig zu essen, bevor ich irgendeine Unterhaltung starte und hoffte auf zwei Dinge:

  1. Bitte bleibt bis ich mit meiner Falafelliebe fertig bin
  2. Bitte lass mich in der Zwischenzeit einen guten Weg finden die Unterhaltung zu starten, ohne die beiden in eine unangenehme Situation zu bringen. 

Nummer zwei war in meiner Hand und ich dachte “Ich habe meine Flyer dabei, ich könnte den beiden einfach einen geben.”. Als ich schließlich fertig geschmaust hatte, sich die beiden tatsächlich noch immer nebendran unterhielten, fragte ich sie höflich, ob ich sie kurz stören dürfe. Sie nickten. Ich holte meine Flyer raus (ich hab 8 mit unterschiedlichen Botschaften darauf) und fragte sie, ob sie die kurz durchgucken könnten und mir sagen, welche Botschaft ihnen gefällt. Ich war glücklich, als jeder von ihnen sogar zwei fand. Ich schenkte jedem, den Flyer, den er am meisten mochte. Ich war bereits am Tschüss sagen, als einer der beiden zu mir sagte: “Ich hab ja noch nie meditiert, aber kann ich wirklich Klarheit durch Meditation erlangen?”. Ich hielt inne und dachte kurz drüber nach. Ich merkte, dass diese Frage mich gerade herausfordert und er mich etwas am falschen Fuß erwischte. Die Frage ist natürlich mehr als nur berechtigt, wenn mein Flyer sagt: “Bring mehr Klarheit in dein Leben und versuchs mit Meditation.”. Als ich diese Botschaft niederschrieb, dachte ich gar nicht darüber nach. Es war einfach klar für mich, es war die absolute Wahrheit, die man gar nicht zu hinterfragen hat. Ich antwortete also etwas unkreativ “Naja nicht beim ersten Mal, aber im Laufe der Zeit schon”. Damit sagte ich dann auch Tschüss. Einige Tage später dachte ich über diese Frage noch einmal nach und meine Antwort heute wäre:

Meditation bzw. das Erlangen von Klarheit durch Meditation ist wie das Erlernen von Jonglieren. Du erwartest nicht, dass du es beim ersten Mal gleich schaffst. Du übst und mit der Zeit sammelst du positive Erfahrungen. Zunächst lernst du es mit zwei Bällen. Dann, wenn das kein Problem mehr darstellt lernst du es mit drei Bällen und wenn du es zum ersten Mal zwei Runden lang durchhältst, wirst du dich unglaublich glücklich fühlen. Frust ist nicht weit, glaub es mir, denn es gibt auch Momente, wo du es nicht mal schaffst einen Ball richtig hochzuwerfen und wieder zu fangen. Du übst fleißig weiter und eines Tages wirst du gar nicht mehr drüber nachdenken, du wirst es einfach tun. 

Ähnlich verhält es sich mit Meditation. Du wirst nicht 100 % Klarheit erlangen, wenn du einmal meditierst. Mit der Zeit jedoch wirst du Erfahrungen sammeln für die du unglaublich dankbar sein wirst. Eine meiner Lehrerinnen nennt sie clicks. Diese Momente des Verstehens. Momente der absoluten Klarheit. Momente in denen du denkst “Warum konnte ich das vorher nicht sehen?”.

Also meiner Meinung nach ist Klarheit nicht das Ergebnis von Meditation, sondern Klarheit ist etwas, was man erfährt während man meditiert. Klarheit erzwingen, Klarheit erwarten wird dich nicht zur Klarheit führen, aber wenn du diese Haltung loslassen kannst, wirst du unglaublich schöne Momente der Klarheit sammeln. Diese Momente werden dir helfen dich weiter zu entwickeln, dich besser kennen zu lernen und mehr zu verstehen.

In unserer Instant-Gesellschaft ist das etwas, was man nicht gerne hört, aber Dinge brauchen Zeit. Punkt. 

Seid gespannt auf mehr Gedanken zur Meditation. Hinterlasst mir einen Kommentar oder schickt mir ein Email, ich freue mich von euch zu hören.

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